Konzentration
Hausaufgaben und Hitparade
Von Ute Krebs
Christine gehört zu den Besten in ihrer Klasse. Seit einiger
Zeit jedoch hat sich ihr Notenbild zusehends verschlechtert. Ihre
Eltern fragen sich schon etwas besorgt, woran das liegen könnte.
Sieht Christine zu lange fern und ist morgens unausgeschlafen? Hat
sie andere Interessen, hinter denen die schulischen Belange in den
Hintergrund treten? Hat sie gerade ein Tief, das mit der Zeit überwunden
wird? Oder macht sie ihre Hausaufgaben nicht mehr mit ihrer sonst
üblichen Sorgfalt?
Für Christines Eltern scheint es klar zu sein: Sie bemängeln
schon seit Wochen, dass ihre Tochter während der Hausaufgaben
die Hitparade hört. Wie, fragen sie sich, kann sich Christine
konzentrieren, wenn ständig das Radio läuft und ihre Aufmerksamkeit
ebenfalls beansprucht. Entweder das eine oder das andere, meinen
sie.
Also musste das Radio - nur unter Murren und Maulen - aus! Aber
einsehen kann Christine das Verbot ihrer Eltern nicht. Sie ist fest
davon überzeugt, ihre Konzentration leide nicht ein bisschen
darunter, wenn sie bei den Hausaufgaben ihren Lieblingssender hört.
Solange das in Zimmerlautstärke geschieht und sie bei der Sache
ist, nämlich bei den Hausaufgaben, lenke sie die Musik doch
nicht ab!
Wie ist das: Verträgt sich die Hitparade mit den Hausaufgaben?
Ja und nein.
Ja deshalb, weil das Gehirn durchaus in der Lage ist, zwei Dinge
gleichzeitig zu erledigen. Das nennt man Parallel-Lernen. Es ist
möglich, dass sich Christine auf den Unterrichtsstoff konzentrieren
kann, wenn sie gleichzeitig die Musik hört, die sie interessiert.
Allerdings: Die Hauptsache muss für Christine die Erledigung
der Hausaufgaben sein. Das Musikhören muß die Nebensache
bleiben.
Dass dies möglich ist, wissen auch Erwachsene. Wie viele haben
den ganzen Tag das Radio an und lesen dabei ein Buch, schreiben
Briefe oder beschäftigen sich gedanklich mit Problemen.
Dieses parallele Lernen gelingt jedoch nicht jedem Menschen. Andere
lassen sich sehr leicht ablenken. Hitparade neben den Hausaufgaben
bedeutet für sie einen ständigen Wechsel der Aufmerksamkeit.
Dann ist mangelnde Konzentration die Folge.
Doch wie jemand wie etwa Christine lernt, das läßt sich
herausfinden. Findet Christine auch in anderen Situationen intuitiv
dazu, parallel zu lernen? Beispiele für Situationen, in denen
sich das beobachten lässt:
Kann Ihr Kind einen Sachverhalt beschreiben oder über ein Erlebnis
berichten, während der kleine Bruder oder die kleine Schwester
im Zimmer herumtobt?
Kann Ihr Kind eine komplizierte Bastelanleitung nach Vorlage verfolgen,
während der Fernseher läuft?
Schaut Ihr Kind beim Schreiben oder Lesen häufiger auf und
schaltet sich in Gespräche ein?
Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind in der Lage ist, zwei Dinge
gleichzeitig zu bewältigen, können Sie auch davon ausgehen,
dass die Hitparade
bei den Hausaufgaben nicht ablenkt.
© Der Kleine Verlag
Spiel-Tipp:
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Bei diesem Kartenspiel zur Konzentration und Merkfähigkeit
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