Konzentration
Öfter mal ein Päuschen
Von Ute Krebs
Frauke geht in die erste Klasse, die Schule macht ihr Spaß
und die Hausaufgaben bereiten ihr kaum Probleme. Seit einigen Tagen
unterbricht sie jedoch ohne ersichtlichen Grund plötzlich ihre
Arbeit und sagt »Ich kann nicht mehr«. Den Eltern bereitet
diese Veränderung im Arbeitsverhalten ihrer Tochter ein wenig
Sorge. Kann Frauke sich nicht gut konzentrieren? Fällt ihr
das Lernen mit steigendem Leistungsanspruch schwer? Oder hat sie
bereits die Freude am Lernen verloren?
Es ist möglich, dass eine dieser Erklärungen zutrifft.
Wahrscheinlicher ist es aber, dass Frauke einfach noch nicht die
Organisationsform gefunden hat, mit der sie am besten arbeiten kann.
Vielleicht braucht sie zwischendurch mal eine kleine Verschnaufpause,
in der sie sich mit anderen Dingen beschäftigt. Vielleicht
muss sie sich aber auch ab und zu bewegen, um anschließend
um so konzentrierter arbeiten zu können. Fraukes Eltern sollten
ihrer Tochter helfen, ein ausgewogenes Verhältnis von Belastung
und Entspannung während der Hausaufgaben zu finden.
Sie sollten ihr Kind dazu ermuntern, sich ab und zu eine Phase
der Erholung zu gönnen, in der »aufgetankt« werden
kann. Manche Kinder tun das ganz intuitiv: Sie spielen zwischendurch
(Selbstschutz gegen den Stress) mal mit ihrem Lieblingstier, sehen
aus dem Fenster und schalten dabei ab, sprechen über ein Problem,
das auf ihrer Seele lastet ... Wenn Kinder das tun, ist das kein
alarmierendes Zeichen für mangelnde Konzentrationsfähigkeit,
sondern ein Selbstschutz gegen Stress. Das haben auch die meisten
Lehrer/innen erkannt und ermöglichen den Kindern solche Entspannungsphasen.
Sie gehen für ein paar Minuten auf den Schulhof und lassen
die Kinder laufen und springen oder bieten zur Entspannung im Klassenzimmer
ruhige Musik und »Stilleübungen« an.
Natürlich hat alles seine Grenzen. Möchte ein Kind während
der Hausaufgaben mal schnell Freunde besuchen oder eine Fernsehsendung
ansehen, hat das wenig mit Entspannung zu tun. Wer sich im Laufe
der Arbeitsphase häufiger erholen muss, sollte sich möglichst
nicht mit Dingen beschäftigen, die ablenken und den späteren
Einstieg erschweren. Im Laufe der Zeit findet jedes Kind seinen
persönlichen Arbeitsrhythmus. Da jedoch auch das Lernen gelernt
werden muss, kann das manchmal eine Weile dauern.
© Der Kleine Verlag
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