Rechnen
Ich gehe nie wieder Einkaufen!
Von Gabriele Wunderlich
Dennis soll schnell zum Supermarkt laufen und Sahne holen. Die
hat seine Mutter beim Einkaufen vergessen. Der Siebenjährige
springt gern ein, denn alleine einzukaufen macht ihm Spaß.
Diesmal jedoch kommt er bedrückt und traurig nach Hause. »Ich
gehe nie wieder einkaufen! Das ist mir zu blöd!«
Das war passiert: Hinter Dennis standen - wie immer kurz vor Ladenschluß
- noch einige Leute an der Kasse an. Als er eine Weile brauchte,
um die gewünschte Summe aus seinem Portemonnaie zu sortieren,
wurden die Wartenden und die Kassiererin erst unruhig und dann richtig
böse.
Was hat dieses Einkaufserlebnis mit Schule zu tun? Eine ganze Menge,
denn: Schule ist eine künstliche Lernwelt. Das entscheidende
Lernen findet im Alltag des Kindes statt. Dennis lernt zum Beispiel
den Umgang mit Geld, indem er die passenden Münzen aus dem
Portemonnaie fischt. Keine Überforderung für einen Zweitklässler,
aber er muss das Bezahlen natürlich erstmal eine Weile üben,
bevor er es sicher kann.
Die Ungeduld der Kassiererin und der anderen Kunden kurz vor Ladenschluß
ist ja verständlich. Aber das Kind, das gerade eine wichtige
Lernerfahrung macht, wird dabei von intoleranten Erwachsenen entmutigt.
Mehr Zeit für Kinder! Das gilt besonders für solche Situationen,
in denen sie Zeit brauchen zu lernen. Und Gelegenheit, das in der
Schule Gelernte im Alltag anzuwenden, ergeben sich ständig
- wenn die Umgebung nur gelassen genug ist, Kindern das in einem
Tempo zuzugestehen, das ihrem Entwicklungsstand und ihrem Vorwissen
entspricht.
Gerade für die ersten Schuljahre gilt: Rechnen, Schreiben
und Lesen lernen Kinder nicht nur in der Schule. Sie müssen
es auch im wirklichen Leben anwenden. Das Schreiben des Einkaufszettels,
eines Briefs an die Großeltern, das Ablesen der Uhr, das Heraussuchen
der Fahrzeit, das Abwiegen von Lebensmitteln beim Kochen sind nur
einige Beispiele.
All das dauert zuweilen recht lange und stellt die Geduld der Erwachsenen
auf die Probe. Sie vergessen dabei häufig, dass sie selbst
einmal genauso gelernt haben, nur mit einem Unterschied: Damals
war das Leben noch sehr viel weniger hektisch als heute und dadurch
der Raum für Entwicklung größer.
© Der Kleine Verlag
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Verdoppeln und Halbieren
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