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Rechnen

Adam Riese in der Tasche

Von Ute Krebs

Oke besucht die zweite Klasse. Eltern und Lehrer sind mit seinen Leistungen recht zufrieden, bis auf einen Punkt: Oke benötigt für die einzelnen Arbeiten, besonders in Mathematik, zu viel Zeit. In der Schule ist er immer als letzter fertig; zu Haus bleibt an manchen Tagen zum Spielen kaum noch Zeit. Okes Eltern überlegen deshalb, ob es nicht angebracht sei, dem Sohn einen Taschenrechner zu kaufen. Mit seiner Hilfe würde das Rechnen viel schneller gehen. Ein Gespräch mit dem Klassenlehrer lässt die Eltern jedoch aufhorchen: Der nämlich findet es bedenklich, schon im zweiten Schuljahr mit einem solchen Hilfsmittel zu arbeiten.

Ist das nicht eine etwas veraltete Meinung angesichts der Tatsache, dass es in Spielzeuggeschäften und Warenhäusern nur so wimmelt von Computerprogrammen für Kinder?

Tatsächlich spricht einiges für den Einsatz technischer Lernhilfen:
Die Kinder werden schon früh an technische Hilfsmittel herangeführt, ohne die sie später im Berufsleben kaum auskommen werden.

  • Taschenrechner helfen dem Kind, schneller mit den Hausaufgaben fertig zu werden. Das bedeutet mehr Zeit zum Spielen, was außerordentlich wichtig ist. Wenn Kinder noch unsicher sind, können sie ihr Ergebnis sofort - und vor allem eigenständig - überprüfen und dadurch zügiger arbeiten.
  • Ab dem fünften Schuljahr werden Taschenrechner sowieso eingesetzt.
  • Warum also sollte Oke nicht jetzt schon ein solches Hilfsmittel benutzen? Dagegen sprechen folgende Argumente:
    Der Taschenrechner hilft zwar, schneller mit den Hausaufgaben fertig zu werden, ein Gefühl der Sicherheit kann er aber nicht vermitteln. Der »kleine Helfer« macht abhängig von einer Maschine, an die sich der Benutzer nur allzu schnell und gern gewöhnen wird.

    Zur Entwicklung des Selbstwertgefühls gehört auch, dass man Fehler macht und das auch darf. Ziel des Unterrichts kann es nicht sein, dass der Schüler ständig fehlerfreie Arbeiten abliefert. Denn: Aus Fehlern entwickeln sich sehr wichtige Lernprozesse.

    Ein Kind, das sich zu früh an technische Hilfsmittel gewöhnt, wird kaum Verantwortung für seine eigene Leistung entwickeln. Seine Bereitschaft, Probleme aus eigener Kraft zu lösen, wird zunehmend schwinden.

    Der Sinn von Hausaufgaben ist es, das in der Schule Gelernte zu festigen. Das sollte vom Kind selbst geleistet werden. Im zweiten Schuljahr ist ein Kind noch nicht so geübt und sicher in den Grundrechenarten, dass auf weitere eigenständige Übung verzichtet werden könnte.
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